Montag, 3. Juni 2019

Radeln, anstreichen und verkaufen


Der Arbeitskreis Handel in der Wirtschafts- und Werbegemeinschaft „Wir für Burscheid / WfB“ begrüßt die Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen im Rahmen des „Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzepts / IEHK Burscheid 2025“ ganz ausdrücklich, so etwa im Kölner Stadt-Anzeiger“ vom 1./2.6.2019 (Jan Sting „Händler: Burscheid im Aufwind. Werbegemeinschaft begrüßt Umbau der Hauptstraße“). 
Das kann man doch sehr gut nachvollziehen: Wenn die Burscheider Hauptstraße wieder attraktiver = anziehender wird, wenn die Fassaden frisch herausgeputzt sind, wenn Leerstände gefüllt sind, wenn die Wege für Fußgänger, Radfahrer und PKW’s gut gebahnt sind – einschließlich guter Parkmöglichkeiten und abwechslungsreicher Verköstigung – dann machen Kaufen wie Verkaufen und machen auch Dienstleistungen deutlich mehr Spaß. Und es bleibt auch mehr hängen. Ein wenig mehrdeutig wird’s dann bei der Zusammenfassung durch die Pressesprecherin und die Sprecherin des Arbeitskreises Handel der WfB-Gemeinschaft: 
Wir haben schöne inhabergeführte, florierende Geschäfte, gute Erreichbarkeit, ausreichenden kostenlosen Parkraum und eine attraktive Innenstadt nach den Umbaumaßnahmen – mit neuem Wohnraum, mit breiten barrierefreien Bürgersteigen und Platz für Radfahrer, mit Bäumen und Bänken, neu gestalteten Parks und einem Zugang von der Radtrasse direkt in die mittlere Hauptstraße“.
Gerade das Letztere ist schwer nachvollziehbar: Tatsächlich gibt es ja bereits vor den anstehenden Baumaßnahmen einen Zugang direkt in die mittlere Hauptstraße“ und sogar barrierefrei, ohne Rampe: Man zweigt an der Dammstraße vom Radweg ab, fährt dann am Markt entlang direkt in die mittlere Hauptstraße. Kommt man aus Richtung Hilgen, geht’s sogar noch schneller und ohne jegliche Steigung – einfach auf die Montanusstraße abbiegen und an der Volksbank rechts (oder auch links) herein. Schon da, mitten im Geschehen!
Gut, was man noch verbessern dürfte: Kosmetik bzw. Deo. Wenn man etwa am Abzweig Dammstraße den auch schon arg verbeulten großmäuligen Mülleimer öfter leeren würde, wenn dieser auch nicht mehr wochenendelang inkontinent zum Himmel stinken würde – dann würden wir wohl noch viel mehr Touristen anlocken, in die Innenstadt, wie es dort ja auch schon ausgeschildert steht. 
Aber das ginge wie gesagt weitgehend aus dem Eingemachten, vielleicht mit einem aufmunternden Anruf des Bürgermeisters bei seinen Technischen Werken / TWB; wir müssten dazu nicht etwa neue steile Rampen aufschütten oder nutzlose Skywalks an Brücken anflanschen. Übrigens genau so sehen es auch viele Radfahrer, wenn man gerne hinhören möchte: Der Allgemeine Deutscher Fahrrad-Club RheinBerg-Oberberg e.V. / ADFC, Oberheidkamper Straße 52 in 51469 Bergisch Gladbach sagt in einer aktuellen, nüchternen Bewertung der geplanten Rampe von der Balkantrasse zur Hauptstraße: „Burscheid braucht keine Visionen, sondern Rad-Infrastruktur!“ und gibt insbesondere dreierlei zu bedenken:
(1)  Burscheid hat bereits zwei lästige Rampen (statt Tunnel-Lösungen) im Verlauf des Panorama-Radwegs Balkantrasse auf seinem Stadtgebiet.
(2)  Es ist unwahrscheinlich, dass Radfahrende in Richtung LEV-Opladen - bergab fahrend - eine Kehrtwende beschreiben, umständlich eine Rampe hinauf radeln/schieben, um in die Hauptstraße zu gelangen.
(3)  Es fehlt eine lückenlose Radinfrastruktur.
Dem ist wenig hinzuzufügen, außer: Den letzten Punkt bei den weiteren Planungen wirklich ernst nehmen, eine für Radfahrer nun tatsächlich kooperative Spange durch die Innenstadt legen und nicht um des Prinzips willen eine lebensfremde Planungs-Arabeske für teures Geld verewigen. 
Was mich an der Stellungnahme des WfB noch ein wenig verwundert: Eigentlich hat man mit den trost- und nutzlosen Blechbäumen am Markt ein unschlagbares Beispiel verfehlter Entwicklungs-Planung schon jahrelang vor Augen. Braucht Burscheid denn wirklich "Mehr desselben", wie Paul Watzlawick in seiner skurril-lebensnahen "Anleitung zum Unglücklichsein" herausgearbeitet hat?

Exkurs: Watzlawick beschreibt in seiner genialen Handreichung eine Beharrlichkeit, die in immer weitere Verstrickung führt, treffend als Syndrom einer doppelten Blindheit: "Erstens dafür, dass die betreffende Anpassung (eine früher sinnvolle Überlebensstrategie) eben nicht mehr die bestmögliche ist, und zweitens dafür, dass es neben ihr schon immer eine Reihe anderer Lösungen gegeben hat, zumindest nun gibt. Diese doppelte Blindheit hat zwei Folgen: Erstens macht sie die Patentlösung immer erfolgloser und die Lage immer schwieriger, und zweitens führt der damit steigende Leidensdruck zur scheinbar einzig logischen Schlussfolgerung, noch nicht genug zur Lösung getan zu haben. Man wendet also mehr derselben 'Lösung' an und erreicht damit genau mehr desselben Elends." (Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein, Piper, 16. Aufl. 1997, S. 28f). Exkurs Ende.



Aber vielleicht könnte man ja den unheilvollen Kreislauf hier unterbrechen und gerade die Blechbäume bei der neuen Planung schadensmindernd recyceln. Also: Wenn jetzt wirklich der schräge Skywalk an der Hauptstraßenbrücke angeflanscht wird und wenn – wie der Bürgermeister unerwartet verzagt vermeldet – eine Außengastronomie mit Schirmen etc. darauf allerhöchstens mittelfristig zu erwarten steht: Warum verpflanzen wir dann nicht einfach die Bäume (oder doch einen oder zwei davon) auf den neuen Skywalk? Sie wachsen dort sicher fest an und könnten wind- und standsicher vor Regen schützen – und unten würden sich die Balkantrassen-Touristen verwundert die Augen reiben, würden sich in ganzen Seilschaften neugierig die Rampe heraufhangeln und würden eigenäugig nachsehen wollen, was denn in Burscheid für listige Lurche am Werke sind, um uns in Szene zu setzen und aus dem städtebaulichen Einerlei herauszuheben.
G O T C H A !!!!


Weiterführende Informationen:
Post zur aktuellen Informationsveranstaltung von Stadt Burscheid & Planungsbüro zu Rampe und Skywalk = 

http://uliswahlblog.blogspot.com/2019/05/burscheid-spange-statt-skywalk-und-rampe.html

Sonntag, 2. Juni 2019

Saugen, nicht heulen

Aus der immer wichtigeren Reihe "Rettet die Hardware!" ein weiterer Beitrag: Wie vermeide ich, einen heuligen Sauger zum Elektroschrott zu karren?

Die Vorgeschichte: Ich hatte unseren etwas betagten Bosch-Staubsauger, dem ich vor Jahren schon mal die brüchigen Plastik-Füßchen durch Prothesen aus stabileren Holz-Rollen kuriert hatte,
für ein Neubau-Projekt ausgeliehen; dort nahm er wacker den Sägestaub von ca. 100 qm Laminat-Zuschnitt auf. Das Problem enstand, als der bald prall und sehr kompakt gefüllte Beutel dem Gehäuse entzogen wurde - dabei wurde es eng und einer der beiden Plastik-Bolzen brach ab, mit denen die Aufnahme des Beutels dreh- bzw. schwenkbar bar zum Gehäuse verbunden ist.
Das heißt, eigentlich begann das Drama, weil sich jener Noppen irgendwie unbemerkt durch die Fichten getan hatte, sodann der nächste & leere Beutel nicht mehr in die rechte Flucht mit dem flexiblen Teil des Saugrohres kam, der bald im Mengen folgende Staub/Dreck den Beutel mied und per Bypass direkt durch den Motor flutete und dieser Motor wiederum nach einer gewissen Zeit anfing, schräge Lieder zum Vortrage zu bringen.

Exkurs: Plastik. Es gibt eine geradezu seherische Szene in dem unvergesslichen Film "The Graduate" / "Die Reifeprüfung". Ein aufgeblasener Freund von Benjamin Braddocks Eltern nimmt den um seine Zukunft besorgten College-Absolventen bei der Abschlussfeier beiseite und raunt ihm in nachrichtendienstlicher Sherlock-Hemlock-Manier zu: "One word." Als Benjamin  verständnislos dreinschaut, setzt er hinzu: "Plastics." Und wiederum einen Moment später: "Shhh! Nuff (= Enough) said..." Tja, manchmal sollte man Plastik wirklich vergessen - wenn es schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und seine Beweglichkeit und Anschmiegsamkeit dahin sind. Exkurs Ende.

Nun gut: Schnell eine weitere Prothese zubereitet, die den abgebrochenen Bolzen willig ersetzt (hatte zufällig noch eine längere Fiberglaswelle aufgehoben, sie passte im Durchmesser befriedigend genau). Das nächste - oder unbemerkt verbliebene - Problem: Der Beutel sitzt jetzt zwar so, wie er soll, und der Bypass ist kuriert, aber der Sauger heult nun selbst bei geringeren Touren wie eine ausgewachsene ABC-Sirene. "Absolut unzumutbar!" befindet meine bessere Hälfte. Bleibt nichts, als das Schätzchen nun völlig zu desintegrieren und zu reinigen. Zum Öffnen des Gehäuses braucht's zunächst mal einen langstieligen Torx-Schraubenzieher. Mit einer normalen Bit-Aufnahme und dem (grundsätzlich) passenden Bit kommt man nun nicht weiter; denn zwei der drei Schrauben sitzen tief in engen Röhren mit max. 10 mm Durchmesser verborgen. Und weiter ist Vorsicht angebracht: Neben den drei Torx sind noch weitgehend verdeckt zwei Plastik- (s.o.!!!) Spangen zu lösen; an diese kommt man nur durch eine kleine Gehäuse-Öffnung neben dem linken Hinterrad und unter (!) dem rechten Hinterrad.

Dann allerdings kann man den Deckel über dem Motor (langsam & sensibel!) nach oben abheben. Wie vermutet: Darunter und insbesondere im Lüfterrad des Motors, das die gesamte Luft bewegt, ist alles mit Staub/Dreck verstopft. Selbst der Innenluftfilter, der die angesaugte Luft vor der Abgabe ins Zimmer nochmals etwas reinigen soll, ist von innen wie zugespachtelt.

Alles soweit zugänglich gereinigt; dann vorsichtshalber noch den recht riefigen Kollektor des Motors behelfsmäßig abgezogen. Das geht recht praktisch mit einem zweiten Staubsauger und etwas 1000er Nass-Schleifpapier: Das Rohr des Zweit-Saugers auf die Ansaugöffnung unseres Problemkindes aufgesetzt - der Luftstrom bringt dann das Lüfterrad und damit die Motorwelle passiv zur Rotation, das etwas befeuchtete Schleifpapier mit dem kleinen Finger leicht auf den Kollektor gedrückt - und schon nach kurzer Zeit strahlt er wie ein Baby-Popo.
Alles wieder sorgsam zusammengesetzt, Filter erneuert und eingeschaltet: Es faucht angemessen, aber es heult nicht mehr. Ich hoffe, damit sind ihm und uns noch ein paar familiäre Nutzungsjahre beschert ;-)

Da wären noch ein paar nette Reparatur-Projekte zu schildern - etwa unsere Kaffeemaschine, der erst auf einer Flugreise der Tassen-Balkon abgebrochen war und die dann später zu ersticken drohte, unser Toaster, der u.a. mal brennend aus dem Fenster gesegelt war, aber wieder hereingebeten wurde, eine kreuzlahme Sofa-Landschaft, deren brüchige Spanplatten-Statik durch eine veritable Fichten-Plombe geheilt wurde und ein Familien-Auto, dessen eine hintere Türe für mehrere Monate versperrt blieb. Und solange die Türe geschlossen ist, ist nun mal die Türverkleidung nicht zu lösen und wird das Schloss nicht zugänglich...

Bei Gelegenheit zu alldem mehr; wie gesagt: Rettet die Hardware! Meist kann man noch was tun und das macht dann sogar Spaß wie Kreuzworträtsel- oder Puzzle-Lösen... Und wenn's dann am Ende wieder richtig brummt...

Noch ein kleines Nachtrags-Reparatur-Projekt vom gleichen Wochenende, als ich mit Schwiegesohn und Enkelin auf dem Radweg unterwegs war: Das Hinterrad am Kinderfahrrad hatte mehr atü verlangt, aber die Pumpe wollte/konnte nix hineinpressen. Beim Auseinanderschrauben wird das Problem gleich sichtbar - es hatten sich innendrin der Schaft der Pumpe und der Plastikkopf (mit der Druckdichtung darauf) in Unfrieden getrennt, der Kopf klemmte verkantet am unteren Ende des Rohrs und drückte dort rein garnichts mehr, außer sich selbst.


Ich bin ja eigentlich gegen die Todesstafe; nur bei Ingenieuren zwickt es mich hier und da, für eine Ausnahme zu plädieren. Hier war der Defekt programmiert; denn besagter Plastikkopf klemmte in dem (seitlich noch dazu der Länge nach geschlitzten und damit eher labilen) Schaft, war nur durch ein paar nach innen gepresste kleine Blech-Beulen befestigt. Einige Zeit kraftvolles Pumpen muss diese Verbindung früher oder später lockern. Vorsorge/Abhilfe wäre dabei recht einfach und auch billig gewesen, entweder durch eine feste Wicklung von Textilband rund um das Schaft-Ende oder - das ist hier meine Wahl - eine kleine Bohrung quer durch das Schaftende inclusive eingesetztem Plastikkopf und das Einsetzen eines Sicherungsdrahtes - hier einfach einer passend gebogenen und gekürzten Büroklammer.


Geht doch - und wird nicht einfach mitten auf einer Tour versagen. Ansonsten wäre die Pumpe auch im Müll gelandet.

Die zweite - baugleiche - Pumpe am Fahrrad meiner Einzigen und Besten habe ich nach dem precautionary principle gleich mitbehandelt. Wie sagt dieser wichtige Grundsatz doch so richtig:

Angesichts der Gefahr irreversibler Umweltschäden soll ein Mangel an vollständiger wissenschaftlicher Gewißheit nicht als Entschuldigung dafür dienen, Maßnahmen hinauszuzögern, die in sich selbst gerechtfertigt sind. Bei Maßnahmen, die sich auf komplexe Systeme beziehen, die noch nicht voll verstanden worden sind und bei denen die Folgewirkungen von Störungen noch nicht vorausgesagt werden können, könnte der Vorsorgeansatz als Ausgangsbasis dienen.




Dienstag, 21. Mai 2019

Burscheid: Spange statt Skywalk und Rampe


Überblick
1.  Innenstadtpark West aka bisheriger „Alter Friedhof“
2.  Plattform plus Rampe vom Radweg zur Hauptstraßenbrücke
3.  Kontrapunkt
4.  Nachtrag zur Historie; Resümee von Planungszielen und Planungsergebnissen nach Stand 13.5.2019
Am 13. Mai 2019 informiert die Burscheider Verwaltung interessierte Bürger über die derzeitigen Ergebnisse des laufenden städtebaulichen Konzepts für Burscheid – des so genannten Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept, kurz „IEHK/Burscheid 2025“ – und gibt Gelegenheit zu Fragen und Anmerkungen zu den Modulen „Innenstadtpark West“, „Plattform & Rampe vom Radweg zur Hauptstraßenbrücke“ und „Gartenweg“. Im Internetangebot der Stadt ist die Präsentation der Ergebniszusammenfassung abrufbar = http://www.burscheid.de/fileadmin/user_upload/redakteure/Bauen_und_Wohnen/IEHK/Praesentation_Buergerinformationsveranstaltung_2019_05_13.pdf. Beim download je nach Bandbreite bitte etwas Geduld mitbringen: Die pdf ist ein ziemliches Geschoss und kommt mit ca. 50 Megabyte nicht so ganz barrierefrei durchs Rohr. 
Zum Ablauf:
Der Bürgermeister lobt eingangs die Zahl der im Rathaus bereit gestellten Stühle: Man hätte die Nachfrage ja praktisch auf den Punkt getroffen. Dann preist er das als Testat der Landesregierung materialisierte „Glück der Tüchtigen“: In Aussicht gestellte Fördermittel i.H.v. 70% der veranschlagten Gesamtsumme von ca. 17 Mio. €. Darüber könne sich ein Verwaltungschef bestenfalls einmal im Leben freuen; nochmals werde ihm so etwas sicherlich nicht gelingen. Das befasste Planungsbüro ASS (http://www.archstadt.de/) trägt im Folgenden vor:

1.  Innenstadtpark West aka bisheriger „Alter Friedhof“
Bei den planerisch zu kurierenden derzeitigen Schwachpunkten des Parks hebt die Präsentation des Architektenbüros gleich als Erstes eine fehlende Anbindung an den Radweg hervor. Eine Bürger-Nachfrage unter Hinweis auf den bereits existenten Ein- und Ausstieg in Höhe des Kinderheims und auf die vergleichsweise kurze und flache Zuwegung zum Park über das Endstück der Bismarck-Straße wird dann aber zurückgestellt: Besser könne man dies später zusammen mit der Rampe zur Hauptstraße abhandeln. Tatsächlich kommt man später nicht wieder darauf zu sprechen – der Weg über eine neue Rampe und dann den Gartenweg wäre aber auch umständlicher, weiter und weniger barrierefrei als der Weg längs des Kinderheims, wäre dann auch für Kinderwagen und Rollatoren nicht die allerbeste Wahl.
Zur Idee, um die alte Boule-Bahn einen Duft- und Sinnesgarten für mehrere Generationen, gleichzeitig einen außerschulischen Lernort zu gestalten: Dort soll eine attraktive Terrasse angelegt werden. Eine Bürgerin weist auf die angrenzende, stark befahrene Durchgangsstraße hin; das wäre für Kinder und Düfte/Sinne wohl weniger geeignet: Die Planerin würde, wie sie sagt, den „Alten Friedhof“ ja gerne an eine weniger belastete Stelle verlegen; ganz offensichtlich sei dies aber nicht möglich. Auch abgrenzende Maßnahmen gegen Immissionen seien nur eingeschränkt realisierbar. Auf weitere Nachfrage: Konkrete Interessen und Ansätze zur Nutzung eines außerschulischen Lernortes sind noch nicht bekannt. Eine Bürgerin erinnert daran: Neben dem etwas entfernten und bereits recht abgewetzten Spielplatz im Luchtenberg-Park gebe es deutliche Nachfrage nach Kinder-Spielmöglichkeiten im Innenstadtbereich. Die Planerin erläutert, es seien keine Spielgeräte geplant; nach ihrer Erfahrung bevorzugten Kinder aber ohnehin Gestaltungen ohne eine im Voraus organisierte Funktionalität für Kleinkinder. Eine Anwohnerin weist auf Erfahrungen mit Ballspielen hin – es komme immer wieder zu brenzligen Situationen, wenn Bälle auf die Durchgangsstraße rollten; die Planerin will dies bei der Planung von Büschen berücksichtigen. Angesprochen wird ferner die Lage der neuen Terrasse: In unmittelbarer Nähe zur umliegenden Wohnbebauung würde die zu unzumutbarer Belästigung führen, wenn dort des Abends und in der Nacht „Party gemacht“ würde. Ein Bürger schlägt Verlegung der Terrasse auf den Hang zwischen Gartenweg und Radweg vor; dies wird nicht weiter kommentiert. Auf Nachfrage nach der nachhaltigen Pflege der geplanten anspruchsvollen Gartenanlage: Der Bürgermeister sieht einen per Saldo durch das IEHK gesteigerten Bedarf an Bodenpflege; dies wäre aber auch der Anspruch der Kommune und er werde dies mit den THW besprechen. Ergänzend wird nachgefragt nach der (im Vorfeld zugesagten) Integration einer Stahlplatte mit Blattwerk – dies ist der Planerin nicht bekannt und wird geprüft – und nach etwa zu integrierenden Angeboten für outdoor-Sport. Weiter: Der Baumbestand soll bis auf zwei Akazien an der neu anzulegenden Terrasse erhalten bleiben.
Am Ende der Präsentation bleiben die Gestaltung und Lage von Terrasse und Sinnesgarten etwas in der Schwebe; ebenso wenig klar wird, welche signifikante Schnittmenge es zwischen den jeweilige Nutzern von Park und Radweg geben kann und wird.

2.  Plattform plus Rampe vom Radweg zur Hauptstraßenbrücke
Die Planerin weist auf den zunehmenden Radverkehr hin, auch und insbesondere mit E-Bikes. Es gelte auf die Angebote der Innenstadt aufmerksam zu machen; bisher laufe zu viel touristischer Verkehr an Burscheid vorbei bzw. unter der Burscheider Innenstadt hindurch. Es gebe derzeit keine direkte Anbindung an die Innenstadt. Schaffe man diese, so könnten in der Innenstadt „Brause & Bier“ besser abgesetzt werden.
Als Lösung der Problemlage wird eine Rampe angeboten, die auf dem Radweg unter der Brücke der Umgehungsstraße (= Höhe des o.g. „Alten Friedhofs“) ansetzt und Radfahrer/Fußgänger etc. parallel zum Radweg auf das Niveau der Hauptstraße hochführt. Die Rampe wird nicht freitragend ausgeführt, sondern wird in den vorhandenen schrägen Hang geschnitten und mit feinkörnigem (Flüster-) Asphalt belegt; als Absturzsicherung ist ein Gittergeländer vorgesehen. Die örtlichen Gegebenheiten werden zu Steigung/Gefälle von max. 7,9 % führen (Anm.: barrierefrei sind Neigungen bis max. 6 %); die Breite soll 2,5 m betragen.
An der Hauptstraßenbrücke solle neben dem Ansatzpunkt der Rampe ein ca. 100 qm großes Podest entstehen, das von der Seite auf Stelzen halb über den Radweg hinausragen werde. Wie ein von hochrangigen touristischen Zielen bekannter Skywalk (siehe z.B. am Grand Canyon oder am Dachstein) solle das Podest „die Innenstadt in Szene setzen“ und zusätzliche Radler von der Balkantrasse "anlocken“. Ausdrücklich: Burscheid könne sich mit einem solchen Angebot „aus dem städtebaulichen Einerlei herausheben“ und man könne „Vielfalt in die Innenstadt bringen“. Der Bürgermeister sekundiert mit der Bemerkung: Alles das mache man schließlich „nicht aus Spaß“, ohne solche Maßnahmen drohe „die Innenstadt zu kippen“. Gäbe es keine Kaufangebote für den täglichen Bedarf mehr, dann wäre „die Innenstadt tot“; gerade dem könne und wolle man ja mit dem IEHK entgegenwirken. Hingewiesen wird in Kontext mit der Rampe auch auf die neue Gestaltung eines „Hauses der Kulturen“ und die geplanten neuen Kaufangebote in der Nähe des Jugendzentrums. Zudem zitiert die Planerin positive Erfahrungen aus einer nach ihrer Meinung vergleichbaren Situation: In einer anderen Stadt habe ein an einer Burg zusätzlich realisierter Aufzug neuen Verkehr in eine früher touristisch eher abgeschiedene Innenstadt tragen können (Anm.: der konkrete Ort wurde mir nicht klar).
Das Podest solle neue Aufenthaltsmöglichkeiten in der Innenstadt schaffen, ggf. auch für ein hochwertiges Angebot der Außengastronomie. Die Seiten der Plattform sollen transparent sein und des Nachts gut sichtbar illuminiert; auf Nachfrage: eine solargestützte Beleuchtung wird geprüft. Eine kurzfristig realisierbare Außengastronomie ist allerdings noch nicht in Sicht. Der Bürgermeister schätzt dies zurückhaltend ein; zunächst seien auf dem Podest allenfalls Bänke und ggf. Sonnenschirme zu erwarten.
Aus der Erörterung mit den Bürger/inne/n:
Ein Bürger greift die Annahme der Planerin auf, es gebe „keinen direkten Zugang vom Radweg zur Innenstadt“: Tatsächlich führe jenseits der Hauptstraßenbrücke in recht genau gleicher Entfernung wie zum Beginn der geplanten Rampe bereits jetzt eine Ableitung des Radwegs zur Innenstadt, und zwar mit dem Vorteil gegenüber der Rampe, höhengleich und damit barrierefrei zu sein. Darüber wären die bereits genannten Ziele „Haus der Kulturen“ und die geplanten Angebote in der Nähe des Jugendzentrums sogar besser erschließbar (Anm.: zugegebenermaßen gäbe es dort aber keinen Ansatz zur Konstruktion eines „Skywalk“). Eine weitere höhengleiche Ableitung gebe es schon an der Dammstraße. Der entscheidende Mehrwert einer aufwändigen Rampe an der vorgeschlagenen Stelle sei daher bisher nicht schlüssig dargetan. Ein weiterer Bürger knüpft daran an und schlägt vor, einen attraktiven innerstädtischen Radweg als alternativ anzubietende Spange durch die Innenstadt zu planen. Dies vermeide den für die Radfahrer sinnwidrigen Eindruck eines bloßen Stichs oder einer Sackgasse und könne nicht nur punktuelle Wirkung entfalten, sondern würde Angebote entlang des ganzen Weges eröffnen. Ein dritter Bürger mahnt dazu, bei den Planungen auch den Nutzen für die untere Hauptstraße im Blick zu behalten; dort bestehe der objektiv größere Nachholbedarf und die größere Gefahr des Kippens; die Erwartung von Radtouristen würden zudem in der Nähe der Kirche – wo man gemeinhin das Zentrum vermutet - am ehesten enttäuscht.

Ein Bürger fragt, ob man nicht auf der anderen Seite der Hauptstraßenbrücke noch eine weitere Plattform anbringen könnte, und damit nicht noch mehr Vielfalt erzeugen würde. Die Planerin setzt kurz zu einer Erklärung an, bemerkt dann aber - wohl nicht zu Unrecht - dass dieser Einwurf eher sarkastisch gemeint sein dürfte, und bricht die weitere Erörterung dazu ab.
Zur Plattform nachgefragt wird auch bzgl. eines etwaigen Vermüllens der Innenstadt. Dazu erklärt die Planerin, „nicht für alles sorgen“ zu können; eine Teilnehmerin schätzt das Problem auch eher gering ein – bei einer gastronomischen Nutzung des Podests würde sich doch der betreffende Gastwirt darum kümmern (Anm.: ein gastronomisches Angebot ist, wenn überhaupt, dann erst mittelfristig realistisch, s.o.). Es gibt bei den Planern ferner keine Besorgnis wg. fehlender Toiletten – nach der mitgeteilten persönlichen Erfahrung des Bürgermeisters wird man mit diesem Begehr an der Burscheider Hauptstraße auch nirgends abgewiesen ;-)

3.  Kontrapunkt
Einen interessanten Kontrapunkt setzt ein Teilnehmer, der offenbar mit der Planerin fühlt und ob der Debatte ein wenig mit ihr leidet: Er könne „nicht fassen“, dass die Bürgerinnen und Bürger in einem weit fortgeschrittenen Stadium der Planung noch Einzelheiten hinterfrügen; dies sei doch eine (wörtlich) „Unverschämtheit“. Tatsächlich sei hier und jetzt doch einfach mal „Vertrauen in die Fachleute“ angebracht... Offenbar erwartet dieser Bürger - anders als die Mehrzahl der Anwesenden - von der Informationsveranstaltung weniger Bürger-Dialog und mehr Frontalunterricht durch Kommune und Planungsbüro.
Prompt fühlt sich der Autor dieses Post ein wenig an den unmittelbar vorangegangenen Tag erinnert. Das war der 12. Mai 2019, Tag des Burscheider Bürger- und Umweltfestes. Ich hatte einen Mitarbeiter der Stadt auf die bevorstehende Informationsveranstaltung zum IEHK und speziell auf die Planung für Rampe & Podest angesprochen, wie sie nach einer Präsentation im Stadtrat einige Wochen vorher ausführlich in der Presse behandelt worden war. Ich hatte mich auch danach erkundigt: Könnte das in den Berichten angekündigte zusätzliche Angebot von Außengastronomie nicht unsere bereits etablierten Angebote berühren oder gar gefährden? Jener Mitarbeiter aus dem gehobenen kommunalen Management hatte mir daraufhin mit Leichenbittermiene bedeutet: Das fände er (wörtlich) doof, dass Leute, die sich nicht konkret mit den Planungsgrundlagen befasst hätten, über Details des IEHK reden würden. Eine ältere Dame, die die gleichen Fragen hat, nimmt er galant ausdrücklich vom "doof" aus. Und überhaupt sähe er konkurrierende gastronomische Angebote doch als sehr hilfreich an! Zu Letzterem: Konkurrenz kann ein Geschäft beleben, wenn die Zahl der Nachfrager offen ist oder zumindest ein gutes Stück auszuweiten ist. In anderen Fällen – so auch manche Burscheider Erfahrung – kann der Wettlauf um Kundschaft sehr schnell ruinöse Züge annehmen - und alle verlieren, die Anbieter ebenso wie die Kundschaft. Meine Meinung.
Also zusammengefasst: Ich bin wohl ein wenig doof und auch unverschämt, wenn ich den hohen Sinn von Rampe und Podest noch immer nicht einsehen will. Oder es trifft auf mich jene Zurechtweisung zu, die man gemeinhin einem beispielgebenden Technokraten, nämlich dem Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm von Brandenburg zuschreibt:
"Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen".
Tatsächlich stammt dieses Zitat allerdings gar nicht von Friedrich Wilhelm; es ist vielmehr die etwas verkürzte bzw. verballhornte Version einer ernsten Abmahnung des preußischen Innenministers und Staatsministers Gustav von Rochow gegenüber ein paar in einer Verfassungsfrage widerspenstigen Professoren. In der hier sogar noch besser fluchtenden Vollform lautete sein Rat zur gehörigen Etikette:
"Es ziemt dem Untertanen, seinem Könige und Landesherrn schuldigen Gehorsam zu leisten und sich bei Befolgung der an ihn ergehenden Befehle mit der Verantwortlichkeit zu beruhigen, welche die von Gott eingesetzte Obrigkeit dafür übernimmt; aber es ziemt ihm nicht, die Handlungen des Staatsoberhauptes an den Maßstab seiner beschränkten Einsicht anzulegen und sich in dünkelhaftem Übermute ein öffentliches Urteil über die Rechtmäßigkeit derselben anzumaßen."

4.  Nachtrag zur Historie; Resümee von Planungszielen und Planungsergebnissen nach Stand 13.5.2019
Sind Rampe und Skywalk in der Informationsveranstaltung bzw. bei der Präsentation im Rat quasi aus dem Hut gezaubert worden? Das dachte ich zunächst, es meinten auch viele andere, mit denen ich gesprochen hatte – aber es ist dennoch nicht so gelaufen: Tatsächlich beschreibt das IEHK-Konzept aus dem Jahr 2016 dieses Modul bereits weitestgehend (die angestrebte Steigung von ca. 6% ließ sich wohl am Ende nicht realisieren), und auch die Begründung hat sich seit 2016 offenbar nur minimal weiter entwickelt. Ich zitiere von S. 149 des Konzepts mit Stand Dezember 2016, abrufbar unter http://www.burscheid.de/fileadmin/user_upload/redakteure/Bauen_und_Wohnen/IEHK/IEHK_2025_Konzept.pdf (Obacht, wieder ist etwas Geduld erforderlich: diese pdf ist ca. 45 Megabyte schwer und braucht z.B. in Kuckenberg etwa 5 Minuten durchs Rohr):
ANBINDUNG DES PANORAMA-RADWEGS AN DIE INNENSTADT
Zurzeit wird die Burscheider Innenstadt vom Panorama-Radweg „Balkantrasse” lediglich „unterfahren“. Es gibt nur wenige Hinweise für die vorbeikommenden RadfahrerInnen, dass sich das Burscheider Zentrum in unmittelbarer Nähe befindet. Geschweige denn, dass die RadfahrerInnen für eine Rast oder einen Aufenthalt in die Stadt gelockt werden. Der Panorama-Radweg erfreut sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Immer mehr Radwege werden zu einem attraktiven Verbund zusammen geführt, der von immer mehr RadfahrerInnen genutzt wird. Hierin verbirgt sich ein großes Potenzial zur Stärkung und Belebung der Innenstadt. Dazu ist die Schaffung von mehreren guten und einer sehr guten, direkten Anbindung des Panorama-Radwegs „Balkantrasse” an die Innenstadt zwingend notwendig. Östlich der Innenstadt ist die niveaugleiche Anbindung an die Dammstraße zu optimieren. Westlich des Zentrums sind verschiedene niveaugleiche Anbindungen vom Radweg an die Montanusstraße zum Teil vorhanden und zum Teil noch zu errichten. Insbesondere im Westen der Montanusstraße muss im Zusammenhang mit der Entwicklung des Einzelhandelsvorhabens eine neue, gut ausgeschilderte Anbindung geschaffen werden. Keine dieser Anbindungen bringt den die RadfahrerIn aber direkt ins Zentrum. Aufgrund der topographischen und räumlichen Verhältnisse bietet sich an, eine 2,50 m breite Radwegerampe mit einer Steigung von rd. 6,0 % in der Böschung parallel zum Gartenweg zu errichten, die auf die Hauptstraße und somit direkt im Zentrum der Stadt mündet. Diese Anschlussstelle wird durch eine über der „Balkantrasse” freikragende, rd. 100 m2 große Plattform weit sichtbar betont. Sie kann auch für außengastronomische Zwecke genutzt werden. Eine kleine, rd. 30 m2 große Plattform östlich der Brücke an der Hauptstraße ergänzt das Angebot um einen zusätzlichen Begegnungs- und Aufenthaltsraum an der mittleren Hauptstraße. Die Inszenierung dieser Plattformen wird entscheidend dazu beitragen, die Stadt Burscheid für RadfahrerInnen ins rechte „Rampenlicht“ zu rücken.
Sind uns Bürgern darum nun Fragen zu diesem Modul verwehrt, sind sie sozusagen „verjährt“? Ich meine: Nein. Eine unschlüssige Planung kann nicht durch reinen Zeitablauf schlüssig werden. Oder aber: Unsinn und Mord haben eines gemeinsam – sie verfristen nicht. Rampe und Podest sind auch kein Element, mit dem das IEHK stehen oder fallen würde; sie haben bestenfalls eine ausschmückende Funktion und könnten ohne Weiteres durch eine funktionalere und dabei kostengünstigere Alternative – etwa die vorgeschlagene Spange – ersetzt werden. Zumindest kann dies vor dem ersten Spatenstich vom Planungsbüro geprüft und bewertet werden.

Resümee der Planungsziele und -ergebnisse zu Rampe/Podest
-        Schaffen einer „sehr guten, direkten Anbindung der Innenstadt an den Radweg“ (IEHK-Konzept 2016 S. 149; ähnlich Folie 18 d. Präsentation v. 13.5.201)
Entgegen der ursprünglichen Konzeption wird die Rampe nicht mit einer barrierefreien Steigung realisiert. Damit würde sie kein realistischer Zugang für den ganz wesentlichen Teil der Nutzer der Balkantrasse; die Nutzung etwa für Kinderwagen, Rollstühle & Rollatoren, konventionelle Fahrräder und selbst Rennräder ist unwahrscheinlich. Als „sehr gute Anbindung“ ist dies damit keinesfalls zu qualifizieren. Insbesondere ist ein Delta gegenüber einer etwaigen Aufwertung der innenstadtbezogenen, bereits existenten höhengleichen und damit barrierefreien Aus- und Einstiege nicht schlüssig.

Wenn man auf einen Reusen-artigen Effekt zum Abfischen der bergwärts stürmenden Radfahrer baut - dies könnte, wenn, dann überhaupt auf die 50% der eben in diese Richtung strebenden Pedalophilen wirken; für den etwa hälftigen Verkehr aus der Wermelskirchener Richtung sind die höhengleichen Ausstiege zur Montanusstraße die offensichtlich bessere und eingängigere Wahl. Schließlich: Die Gestaltung der Plattform ist an dieser Stelle eine ernsthafte architektonische Herausforderung. Bahntrasse und Hauprstraße kreuzen sich nicht rechtwinklig, sondern in Winkeln von ca. 60 bzw. 120 Grad. Wie immer man es anstellt, wird die Plattform notwendig schräg aussehen - und die Perspektive von der Bahntrasse aus dürfte mit den zusätzlich schief gelegten Pylonen, die das Gewicht der Plattform nach unten ableiten, nochmals schräger sein und den eigentlichen Charakter einer Brücke völlig verzerren - wenig einladend. Allerdings mag für die Planer hier die bauliche Ästhetik auch nicht im Vordergrund stehen.
-        Realisierung eines „großen Potenzials zur Stärkung und Belebung der Innenstadt“ (IEHK-Konzept 2016 S. 149)
Dahinter steht eine von Anfang an nicht empirisch unterlegte Überschätzung des Konsum-Potenzials der Radfahrer, die etwa von der Balkantrasse abzuleiten oder "anzulocken" wären. Fahrräder sind typischerweise keine bulk-carrier bzw. auf Transport von Lasten ausgelegt. Es ist nicht schlüssig dargetan, auf welche Dienstleistungen und Warengruppen sich ein etwa erhöhter Durchsatz Umsatz-steigernd auswirken könnte. Was an der Hauptstraße angeboten wird, das findet man höchst selten auf dem Gepäckträger eines Fahrrads oder wird von Fahrrad-Touristen gesucht: Uhren etwa, Handys, Waschmachinen, Bücher oder Haarschnitte. Auch sind Angebot und Nachfrage im Wortsinn antizyklisch: Radverkehr boomt an sonnigen Wochenenden - dann sind die Ladentüren schlicht zu. Am realistischsten bleibt etwas touristischer Konsum (Bier, Limo, Kaffee & Co., kleine Gerichte), wie auch am 13.5.2019 herausgehoben. Selbst beim touristischen Konsum ist aber nicht annehmlich gemacht, wie dies durch die Rampe signifikant ausgeweitet werden könnte. Wenn, dann sind am ehesten Verdrängungseffekte zulasten bereits etablierter Angebote zu erwarten (etwa „Alter Bahnhof“). Vorhandene Unternehmungen in Frage zu stellen, das ist aber kein vernünftiges Ziel nachhaltiger Stadtplanung.
-        „Niveaugleiche Anbindung der Rampe an Plattform und Brücke“ (Folie 18 d. Präsentation v. 13.5.2019)
Dies ist kein Vorteil der Rampe, sondern stellt lediglich fest, dass Rampe und Plattform als Ensemble geplant werden. Die Anbindung an die Brücke ist die natürliche und zu erwartende Eigenschaft der geplanten Rampe.
Möglicherweise sind die beiden Elemente in der Genese auch umgekehrt verknüpft: Den Planern mag eingangs vorgeschwebt haben, mit dem Podest einen Skywalk-ähnlichen, besonderen Akzent zu setzen – die Planerin drückte es am 13.5.2019 so aus: „Burscheid inszenieren / aus dem städtebaulichen Einerlei herausheben“. Ein solches Podest hat, wenn überhaupt, dann einen möglichen Platz nur an der Hauptstraßenbrücke (blendet man hier einmal die noch höhere, aber vom Zentrum weiter entfernte Griesbergerstraßen-Brücke aus). Vom Podest her gedacht könnte dann die Rampe zur Balkantrasse zusätzlichen Nutzen stiften - sie wird damit ergänzende bzw. dienende Begründung des Podestes. Die Rampe macht dann aber gleichzeitig umso weniger Sinn, je weniger Funktion das Podest entfaltet.
-        „Rampe wird durch Bodenauftrag erstellt, kaum Bodenabtrag“ (Folie 18 d. Präsentation v. 13.5.2019)
Kein Vorteil, dies verspricht bestenfalls die Abwesenheit von Nachteilen; es ist ein vorsorglich defensives Argument.
-        „Erhalt der Baumkulisse an der Böschungsoberkante zum Gartenweg“ (Folie 18 d. Präsentation v. 13.5.2019)
Wie vor.
-        „Mehr Aufenthaltsqualität an der Hauptstraße“ (Folie 18 d. Präsentation v. 13.5.2019)
Das Podest könnte im Zusammenhang mit einer konkreten Nutzung – im Gespräch war zu Zeiten eine höherwertige Außengastronomie – tatsächlich mehr Aufenthaltsqualität stiften. Allerdings gibt es dafür auch drei Jahre nach Erstellung des Konzepts keinerlei konkrete Perspektive. Auf der Informationsveranstaltung v. 13.5.2019 erwartete selbst der Bürgermeister hier keine kurzfristige Lösung.
Selbst die vom Bürgermeister nun zurückhaltend skizzierte Einfach-Lösung bis auf Weiteres („Bänke, Sonneschirme“) dürfte wegen der allseits luftumströmten Lage des „Podests“ wenig nachgefragte Qualität schaffen: Die teils Windkanal-artigen Schneisen von Hauptstraße und Bahn-Einschnitt mögen zwar einen bevorzugten Standort für eine Windkraftanlage formen, weniger aber für Sonnenschirme. Ungesagt bleibt auch, wer für solche Sonnenschirme Verantwortung übernehmen wollte.
-        „Wegweiser zur Burscheider Innenstadt“ (Folie 18 d. Präsentation v. 13.5.2019)
Ohne einen direkt sichtbaren Nutzen (siehe oben) wird das Podest den Weg auf die Rampe kaum attraktiv gestalten können. Auch liegt der Einstiegspunkt der Rampe recht weit entfernt von der Brücke und an einer hier zudem gekrümmten Trasse; daher wird der Impuls für ein spontanes Abbiegen auf die Rampe in vielen Fällen schlicht zu spät kommen. Daran wird auch eine etwaige Illumination des Podestes wenig ändern – zumal sie bei Tag nicht wirkt und bei einsetzender Dunkelheit der Verkehr auf der ihrerseits bisher unbeleuchteten Balkantrasse stark abfällt.
-        „Angebot für Außengastronomie“ (Folie 18 d. Präsentation v. 13.5.2019)
Siehe oben: Bis auf Weiteres ist selbst nach Einschätzung des Bürgermeisters keine gastronomische Nutzung in Sicht. Nach der ernüchternden Erfahrung mit den Plänen zur Belebung unseres Marktplatzes (!) wäre es sehr riskant, für das erst noch zu erstellende Podest auf eine auch nur mittelfristige Lösung bzw. Nutzung zu bauen. Wahrscheinlicher ist, dass Infrastruktur an diesem Ort an einem tatsächlichen Bedarf vorbei geplant wäre, dass jedenfalls der erzielbare Effekt außer Verhältnis zu den einzusetzenden Mitteln bliebe. Der einzige nachhaltige und bilanzierbare Nutzen könnte in der Projektierung und Erstellung selbst liegen.

Information zu den projektierten Kosten (Folie 27 d. Präsentation v. 13.5.2019)
Kosten einschl. Baunebenkosten und MwSt.
Rampe inkl. Stützmauer, Geländer: 214.000,00 €
Plattform: 296.000,00 €
Illuminierung der Brüstungselemente der Plattform: 24.000,00 €
Gesamtkosten: 534.000,00 €
Finanzierung über Städtebaufördermittel im Rahmen der KSG-Maßnahme „Burscheid Innenstadt“
Zuwendungsfähige Kosten, Städtebauförderung: 534.000,00 €
Zuwendung (70%): 373.800,00 €
Eigenanteil Stadt Burscheid (30%): 160.200,00 €

Unter dem Strich:
Die Begründung für das Planungsmodul „Rampe/Podest an der Hauptstraßenbrücke“ ist bereits im IEHK-Konzept nach Stand 2016 zweifelhaft gewesen. Insbesondere nach den Planungsergebnissen, wie sie auf der Informationsveranstaltung vom 13.5.2019 dargestellt wurden, erscheint dieses Modul nach finanziellem Aufwand und erzielbaren Wirkungen fragwürdig. Es sollte durch funktionalere und dabei kostengünstigere Planungsalternativen ersetzt werden. Ansonsten dürften hier kommunale Mittel und ebenfalls steuerbasierte (!) Landesmittel verschleudert werden.

Die örtlichen Zeitungen haben am 15.5. über die Informationsveranstaltung zum IEHK berichtet. Am 16.5. und am 21.5.2019 haben sie dann diese beiden Leserbriefe abgedruckt:

Bergischer Volksbote v. 16.5.2019
Mit Licht fängt man Motten – Mäuse aber aller Erfahrung nach mit Speck. Ein schlüssiger Nutzen der geplanten Rampe und insbesondere des illuminierten Skywalk ist aber noch gar nicht dargetan – hier war selbst der Verwaltungschef verblüffend verzagt. Die Rampe wird mit ca. 8% Steigung und Gefälle auch nicht so direkt barrierefrei und die Plattform wird eher für Windkraft optimiert sein als für Sonnenschirme. Welchen Konsum wir damit bei Radlern zusätzlich triggern könnten – und bei welchen Waren und Dienstleistungen – das ist weder seriös prognostiziert noch auch nur annehmbar. Rampe plus Skywalk könnten ähnliche Wahrzeichen frustrierter Planungsziele werden wie unsere tristen Blechbäume am Markt: Sie nutzen nicht, sie trösten nicht, aber stehen bleiben sie doch.
Unser städtebauliches Konzept kommt besser ohne Rampe und Plattform aus, und dabei ganz ohne die vom Bürgermeister raunend und dräuend beschworene Lebensgefahr für die Innenstadt. Das Geld wäre besser und konsequenter investiert, würden wir die Balkantrasse im Kernbereich der Stadt beleuchten, etwa zwischen Hallenbad und altem Bahnhof. Dazu würde ich sogar eine Lampe spenden. Versprochen.
Kölner Stadt-Anzeiger v. 21.5.2019
Manche stilisieren unsere Balkantrasse gerne hoch zu einer Art Lebensader der Burscheider Wirtschaft und Kultur. Das kann sie beim besten Willen nicht leisten. Klug geplant könnte sie allerdings dazu beitragen; dann nämlich, wenn wir unseren Fuß- und Radweg mit Augenmaß einbinden, und nicht mit planerischem Aplomb durch Rampe und einen illuminierten Skywalk.
Dazu scheint mir die Anregung eines Burscheider Bürgers bei der Anhörung am 13. Mai höchst bedenkenswert: Keinen steilen und Sackgassen-artigen Stich auf eine Rampe legen – sondern über eine attraktive Spange quer durch die Innenstadt neuen Durchfluss eröffnen. Das würde die existenten höhengleichen Aus- und Einstiege intelligent und barrierefrei aufgreifen und könnte viele gute Angebote greifbar machen, würde vielleicht sogar unseren trostlos-tristen Markt wachküssen.

Und zum Schluss noch weiterführende Informationen = Post u.a. zu einer Verlautbarung der Interessenvertretung des Burscheider Handels und zu einer sehr überzeugenden Stellungnahme organisierter Radfahrer zum Thema Rampe & Skywalk:

http://uliswahlblog.blogspot.com/2019/06/radeln-anstreichen-und-verkaufen.html

Freitag, 10. August 2018

2% oder 4% der Wirtschaftskraft für Waffen?


Die NATO - das bei Weitem größte und stärkste Militärbündnis - will mehr Geld für Waffen ausgeben. Die Bundesregierung leistet bestenfalls hinhaltenden Widerstand. 

2 oder 4% wofür genau? Für mehr, für bessere Waffen? Ich sehe nicht einmal den Versuch eines seriösen Nachweises, dass etwa Afghanistan, Libyen oder der Irak hätten längst nachhaltig stabilisiert werden können, hätten wir nur über bessere militärische Fähigkeiten verfügt. 

Das aktuelle Weißbuch zur Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr zeigt sich zur Evaluation militärischer Einsätze denn auch nicht systematisch aufgestellt, sondern nebulös und eher verschämt: Beim „Ausbau von Strategiefähigkeit“ … „geht es auch um die Entwicklung (sic!) von Kriterien, die Messbarkeit und Evaluierung ermöglichen“ (Weißbuch 2016, Nr. 4.1, S. 57). Im Klartext: Unsere robusten, raumgreifenden Auslandseinsätze exekutieren wir bis heute zu unbesonnen und unreflektiert. Oder auch: Sie sind kein Beispiel für evidenzbasierte Politikentwicklung.

Wenn die vorgenannten Konflikte eine Herausforderung des Westens waren, dann hätte der Westen diese Prüfung offensichtlich nicht bestanden; wir müssten nun etwas anderes suchen als das ewige „Mehr desselben“. Der collateral advantage eines neuen, achtsameren Weges wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: Wir würden weniger weltweite Migration triggern und träten weniger terroristische Hornissennester los. Mich jedenfalls würde das erleichtern.

Anm. zu "Mehr desselben" 
Paul Watzlawick beschreibt in seiner genialen "Anleitung zum Unglücklichsein" eine Beharrlichkeit, die in immer weitere Verstrickung führt, treffend als Syndrom einer doppelten Blindheit: "Erstens dafür, dass die betreffende Anpassung (Bezug: eine früher sinnvolle Überlebensstrategie) eben nicht mehr die bestmögliche ist, und zweitens dafür, dass es neben ihr schon immer eine Reihe anderer Lösungen gegeben hat, zumindest nun gibt. Diese doppelte Blindheit hat zwei Folgen: Erstens macht sie die Patentlösung immer erfolgloser und die Lage immer schwieriger, und zweitens führt der damit steigende Leidensdruck zur scheinbar einzig logischen Schlussfolgerung, noch nicht genug zur Lösung getan zu haben. Man wendet also mehr derselben "Lösung" an und erreicht damit genau mehr desselben Elends." (Paul Watzlawick, Anleitung zum Unglücklichsein, Piper, 16. Aufl. 1997, S. 28f)

Mittwoch, 18. Juli 2018

TRUMP vs. KANT. TRUMP wins.



Armaments make for jobs make for re-election. Trump knows.
Armaments make for crises make for war. Kant knows.
"Really great!", Trump says, "Wars make for reconstruction deals and for armament deals."
And so on…

Please have a closer look at Kant's “Perpetual peace” in a very fine translation. It is older than 200 years of age – but it is far more up-to-date we would wish it was: https://archive.org/details/perpetualpeacea00kantgoog
or, to be downloaded as a pdf file fit for cut&paste:
http://lf-oll.s3.amazonaws.com/titles/357/0075_Bk.pdf
By way of precaution right at the beginning an introductory remark to Kant’s title line “Perpetual peace”: This is a sort of grim joke of the author; it’s definitely not due to any philosophic dreams abstract from human reality as some blockheads could deride him for - and do have derided him over the centuries. The booklet’s headline is programmatically borrowed from the name of a Dutch tavern situated right besides a large cemetery.

Some parts of Kant’s work relevant in this context:
First section, containing the preliminary articles of perpetual peace between states (translation p. 107)
3. Standing armies (miles perpetuus) shall be abolished in course of time.
For they are always threatening other states with war by appearing to be in constant readiness to fight. They incite the various states to outrival one another in the number of their soldiers, and to this number no limit can be set. Now, since owing to the sums devoted to this purpose, peace at last becomes even more oppressive than a short war, these standing armies are themselves the cause of wars of aggression, undertaken in order to get rid of this burden. To which we must add that the practice of hiring men to kill or to be killed seems to imply a use of them as mere machines and instruments in the hand of another (namely, the state) which cannot easily be reconciled with the right of humanity in our own person.*)
*) A Bulgarian Prince thus answered the Greek Emperor who magnanimously offered to settle a quarrel with him, not by shedding the blood of his subjects, but by duel: "A smith, who has tongs, will not take the red-hot iron from the fire with his hands.”
The matter stands quite differently in the case of voluntary periodical military exercise on the part of citizens of the state, who thereby seek to secure them- selves and their country against attack from without, The accumulation of treasure in a state would in the same way be regarded by other states as a menace of war, and might compel them to anticipate this by striking the first blow. For of the three forces, the power of arms, the power of alliance and the power of money, the last might well become the most reliable instrument of war, did not the difficulty of ascertaining the amount stand in the way.

Second section, containing the definite articles of a perpetual peace between states (translation, page 121)
Now the republican constitution apart from the soundness of its origin, since it arose from the  pure source of the concept of right, has also the prospect of attaining the desired result, namely, perpetual peace. And the reason is this. If, as must be so under this constitution, the consent of the subjects is required to determine whether there shall be war or not, nothing is more natural than that they should weigh the matter well, before undertaking such a bad business. For in decreeing war, they would of necessity be resolving to bring down the miseries of war upon their country. This implies: they must fight hemselves ; they must hand over the costs of the war out of their own property; they must do their poor best to make good the devastation which it leaves behind ; and finally, as a crowning ill, they have to accept a burden of debt which will embitter even peace itself, and which they can never pay off on account of the new wars which are always impending. On the other hand, in a government where the subject is not a citizen holding a vote, (i.e. in a constitution which is not republican), the plunging into war is the least serious thing in the world. For the ruler is not a citizen, but the owner of the state, and does not lose a whit by the war, while he goes on enjoying the delights of his table or sport, or of his pleasure palaces and gala days. He can therefore decide on war for the most trifling reasons, as if it were a kind of pleasure party.*) Any justification of it that is necessary for the sake of decency he can leave without concern to the diplomatic corps who are always only too ready with their services.
*) Cf. Cowper: The Winter Morning Walk:
“But is it fit, or can it bear the shock
Of rational discussion, that a man,
Compounded and made up like other men
Of elements tumultuous, …

Should when he pleases, and on whom he will,
Wage war, with any or with no pretence
Of provocation giv’n or wrong sustain’d,
And force the beggarly last doit, by means
That his own humour dictates, from the clutch
Of poverty, that thus he may procure
His thousands, weary of penurious life,
A splendid opportunity to die?”

“He deems a thousand or ten thousand lives
Spent in the purchase of renown for him,
An easy reckoning.” [Tr.]

Samstag, 2. Dezember 2017

Lavamat – zu wenig und zu viel Kohle



Besser, ich wasche mir die Hände in den nächsten Tagen nicht mehr. Es gibt noch mehr Schwarz als das in alten Philips-Bandgeräten oder im Ansaugtrakt eines KIA Sportage - siehe dazu meine zuvor verlinkten letzten Posts.

Gestern Nachmittag stellte unsere etwas betagte Waschmaschine das Schleudern ein. Zu allen gesondert abrufbaren Funktionen – Abpumpen, Schleudern – nur noch ein missmutiges Brummen und Stillstand der Wäschepflege. Rückseite aufgeschraubt, hineingeleuchtet: Der Antriebsriemen vom Motor zur Trommel ist okay; an einer Motorseite ist der Boden deutlich schwärzer. Mal wieder was mit Kohle offenbar. Nach Ausbau des E-Motors (geht relativ einfach durch Herunterschieben des Antriebsriemens (dabei diesen leicht in Laufrichtung verschieben), durch Lösen von vier Schrauben und behutsames Herausklopfen aus der weißen Kunststoff-Halterung (mein Rat: Vorsichtshalber ein passendes Brett oder dergleichen unter den Motor legen/klemmen, damit die Schrauben entlastet sind und der Motor auch nicht ruckartig zu Boden geht; das folgende Bild bitte in Gedanken nach links drehen - weiß der Geier, warum blogger es beim Hochladen so schwindelerregend abgegekippt hat)

Bild gedanklich um 90 Grad nach links drehen ;-)
und nach Ausbau der Kohlenträger die klare Diagnose: Eine Kohlebürste schimmert noch adrett metallisch – diese hatte noch ein paar Monate Zeit. 

links: läuft / rechts: ausgelaufen
Die zweite dagegen ist noch einige Millimeter kürzer und auch recht verkokelt diese Kohle hatte gerade ihr Letztes gegeben, als sie von ihrer endlichen Zuleitung vom Kollektor abgehoben wurde. Anm.: Die Kohlenträger können Sie mit je zwei Kreuzschlitzschrauben lösen und herausnehmen, aber dazu immer das genau passende Bit wählen und wegen des dort recht eng bemessenen Arbeitsraums eine möglichst schmale Bitaufnahme (oder natürlich gleich einen genau passenden Schraubenzieher). Denn wenn die Schraube mal verwürgt ist, dann hat man/frau ein größeres Problem.
Nun den Ersatz suchen, ggf. bei einem gut sortierten Elektrofachgeschäft bzw. Elektro-Installateur oder auch im Internet. Die Kohlen selbst haben im Grunde ein Standard-Maß (5 x 12,5 x ca. 40 mm; geeignet für einen Kohlenträger von 57 mm Länge) und werden unter diversen Marken wie AEG, Bosch, Privileg etc. verbaut. Bei den Trägern gibt es allerdings Unterschiede. Manche – wie meine beiden – sind mit „R“ gekennzeichnet, manche für einige andere Waschmaschinen mit „L“. Ich gehe davon aus, dass dies nicht etwa auf „rechts“/„links“ am Motor angebracht hinweist, sondern auf „rechtsdrehender“/ „linksdrehender“ Motor; es macht damit einen ganz wesentlichen Unterschied und keinesfalls sollte man die falschen oder gemischte Träger verbauen! Sonst läuft es sehr schlecht und/oder sehr kurz.
Im Grunde spielt das aber für mein Problem gar keine Rolle, für die meisten anderen Kohlebürsten-Affären gestresster Waschmänner oder -frauen ebensowenig. Denn verbraucht sind typischerweise ausschließlich die Kohlebürsten selbst, nicht etwa die Träger, und die Kohlenbürsten für sich sind im Grundzustand nicht chiral bzw. spiegelsymetrisch; sie eignen sich daher sowohl für "R"- wie auch für "L"-Träger. (Anm.: Nur wenn sie bereits eingelaufen sind und im Ausnahmefall nochmals eingebaut werden sollten, dann nur auf derjenigen Motorseite, an der sie sich schon eingewöhnt hatten!) Die Träger wiederum bestehen aus zwei schwarzen Kunststoff-Schalen, die senkrecht zur Längsachse der Kohlen sehr elegant, fast unmerklich ineinander gesteckt sind, und aus einer dazwischen eingelegten Messingführung für die eigentliche Kohlebürste und ihre Andruckfeder. Ein Austausch allein der Kohlen ist wirklich überhaupt kein Problem. Im folgenden Bild: Linkerhand die vier demontierten Elemente einer Bürsten-Einheit, rechts ein noch zusammengebautes Element, siehe dort auch das oben erwähnte "R" etwas oberhalb der Mitte, das für meine Waschmaschine typisch ist. 

links: die vier Teile einer Kohlebürsten-Einheit demontiert
rechts: noch zusammenhängend; zum aufgeprägten "R" siehe Text oben

Dass zumeist nur die eigentlichen Kohlen auszutauschen wären, das hindert aber etwa AEG nicht daran, über seine Serviceseite https://shop.aeg.de/ als Kohlebürsten die gesamte Einheit feilzubieten, und zwar zum einmaligen Angebotspreis von 52 €, siehe bei Bedarf unter https://shop.aeg.de/W%C3%A4schepflege/Waschmaschinen/Motoren-%26-Pumpen/FHP-Kohleb%C3%BCrste-f%C3%BCr-Waschmaschinen/p/4006020327
Wenn man/frau dagegen nur die reinen Kohlebürsten ersetzt, dann ist viel teures Geld zu sparen und man/frau schont dabei auch noch ein wenig die Umwelt, der man/frau ansonsten die alten Kohleträger zur weiteren Sorge anempfehlen müsste. Wer im Internet etwa unter der Siemens-Spezifikationsnummer 154740 sucht oder halt unter dem jeweils eigenen Waschmaschinen-Typ, der findet schnell diverse Angebote unter 10 €
Zur Erbauung: Ich fand auch eine interessante Offerte zu 62,75 €, und zwar nur für die Kohlebürsten, nicht etwa inklusive Träger (!!!). Dafür wird allerdings mit kostenloser Lieferung geworben (na ja, das Porto könnte bei diesem Preis auch locker drin sein). Derzeit ist der Artikel dort aber nicht auf Lager. Zum Glück, möchte ich meinen, für so viel Kohle!



Ach ja, und zwischendurch kommt noch verschärfte Surfer-Freude auf: Während ich gerade die notwendigen und hinreichenden Kohlen google und auch schon fündig werde, da poppt ebenso fröhlich wie ungefragt ein Gewinnspiel auf: Unter dem Header „Mitgliedschaftsbelohnungen / Sign in“ werde ich plötzlich gegrüßt per „Herzlichen Glückwunsch Deutsche Telekom AG Nutzer, Sie haben heute Glück!“ Ohne viel Federlesens verlässt der Bot auch schon die Ebene der förmlichen Anrede und schwenkt um auf ein fraternisierendes, gleichzeitig zur Eile drängendes „Du hast nur 3 Minuten und 2 Sekunden, um die drei Fragen zu beantworten, bevor ein anderer glücklicher Besucher das Geschenk erhält. Viel Glück!“ Frage Nr. 1 von dreien lautet, mich schauert's: „Wer hat Microsoft gegründet?“ Ermunternd fügt der Bot noch an, in welch’ trostloser Minderheit die Nicht-Wisser vegetieren: „97% richtig beantwortet“ und bietet sodann eine trifold choice zwischen Bill Gates / Mark Zuckerberg / Warren Buffett, schiebt sicherheitshalber auch noch den begeisterten Tweet eine attraktiven jungen Dame nach, die an der Supermarkt-Kasse ihr Alter angeben müsste: „Ich war mir nicht sicher, ob das wirklich wahr ist oder nicht, aber ich habe heute tatsächlich mein iPhone 7 erhalten!“ Ich weiß, der Bot will nur mein Bestes und sein eigenes Glück, also meine Daten, und investiere die drei Minuten in tiefe Selbstversenkung, um endlich an meine Kohlen zu kommen.
Indessen: Auch als ich beim Schürfen nach Glück und/oder Smartphones nur noch 0 Minuten und 0 Sekunden übrig habe, als ich quasi schon über den Abgrund hinausgeschritten bin, da kann ich meinen Browser nicht mal mehr per leftwards arrow dazu verleiten, auf diejenige Seite zurück zu springen, die ich vor dem einschmeichelnden Versprechen des heiligen Bot angewählt hatte. Ich muss dämlicherweise über die Historie gehen. Aber: Strafe muss halt sein, bei so unerhörter digitaler Verweigerung. Weiß der Schöpfer, wie viele Megawattstunden Bill Gates' Nachfolger und/oder die Bundespost-Nachfolger über solch’ plumpvertrauliche Spielchen Tag um Tag als CO2 in den Himmel blasen lassen! Sogar aus gasförmiger Kohle kann man noch viel Kohle machen. Anm.: Wäre das Internet ein Land, es hätte den sechstgrößten Energieverbrauch auf Erden, siehe dazu z.B. https://www.swr.de/natuerlich/stromfresser-internet-wie-viel-energie-braucht-das-netz/-/id=100810/did=14939750/nid=100810/17wfi2i/index.html.

Falls mich jetzt jemand zart drauf hinweisen will: Ja, ich weiß, auch ich bin gerade digital unterwegs, schaffe mit bei diesem globalen Stoffwechsel von Daten auf Watt, von Watt auf Klimagase. Bin voller Elan mit dabei, den viele Millionen Jahre währenden Prozess - im Falle des Erdzeitalters Karbon  allein ca. 50 Mio. Jahre - des pflanzlichen Fixierens von atmosphärischem Kohlendioxid in wenigen hundert Jahren zurückzudrehen. Und damit zurückzufinden zu einem IQ, der zur Zeit des Karbons - in heutigen Maßstäben gemessen - deutlich unter dem Wert 1 gelegen hätte. Tröste mich damit, das es hier für einen guten Zweck sein soll. Aber genau das sagen auch alle anderen mit IQ > 1 ...

Die Fortsetzung 

Tja, meist gibt es eine Geschichte hinter der Geschichte oder - das wäre hier genauer - eine Geschichte nach der Geschichte. Die hoffentlich inzwischen wieder Geschichte ist. Doch zurück in den Waschkeller:

Zwei Tage war ich meiner Frau Held. Dann stellte die frisch reparierte Waschmaschine den Dienst schon wieder ein. Wortlos und als sie noch randvoll Wasser war. Welch' trübe Fluten sich dann, zur Vorbereitung neuer Arbeit, über den Kellerboden Richtung Abfluss verflüchtigen mussten. Meine nächsten Schritte: Ich habe die o.g. Kohlen gleich wieder rausgerupft; allerdings hauptsächlich deswegen, weil sie ein, wie ich bauchgefühlsmäßig fand, seltsam sirrendes Geräusch abgegeben hatten und ich ihnen dann nicht mehr so recht traute. Im Internet hatte der Anbieter mit einer "Sandwich"-Struktur geworben = Zonen unterschiedlicher Materialhärte, die sich wohl positiv auf die Standfestigkeit auswirken sollten. Beim näheren Betrachten des Kollektors hatte es allerdings den (ggf. subjektiven) Anschein, dass dafür dort die Abnutzung höher war - und den Kollektor kann man halt schlecht oder gar nicht tauschen. Dann beim Elektriker meines Vertrauens gegen 25€ (das Dreifache!) die Kohlen gekauft, die - wie er fröhlich sagte - immer gerne einbaut. Das Einbauen machte dann aber gar keinen Spaß: Während meine Billig-Kohlen absolut maßgerecht gewesen waren und geradezu in den Träger hineingeflutscht waren, waren die Anschlusslaschen der heiß empfohlenen Kohlen ca. 0,4 mm zu breit für die Ihnen zugedachte Aufnahme und ich musste ca. 30 Min. daran herumfeilen, bis sie sich zu integrieren bequemten. Alles wieder eingebaut, gleichzeitig noch einen Gummifaltenbalg ersetzt, der seit einiger Zeit ein wenig inkontinent war. Sehr unbefriedigend aber: Alles das hatte logisch eigentlich noch gar nichts mit der oben beschriebenen Ausfallerscheinung zu tun. Auch an der Laugenpumpe, die bürstenlos und im Grunde unkaputtbar arbeitet, war nichts besonderes festzustellen, insbesondere kein etwa sperrender Gegenstand im Pumpengehäuse. Was bitte hatte dann die Maschine zum Stehen gebracht? Habe dann noch das Siphon in dem Abwasserrohr gecheckt, durch das die Maschine nach dem Waschvorgang gelenzt wird. Ebenfalls: Nichts festzustellen. Wie die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos.

Dann, aber eher hilflos oder zufällig, versuche ich mal in das Abwasserrohr hineinzupusten. Und damit lande ich einen Glückstreffer: Zunächst etwas größerer Widerstand, dann praktisch keiner mehr. Und damit klärt sich das Schadensbild nach dem Motto "Der Teufel ist ein Eichhörnchen!" und Folgendes war der mutmaßliche Ablauf: Das Abwasserrohr verläuft (eigentlich: verlief) über ca. drei Meter mit geringem, aber vermutlich völlig DIN-gerechtem Gefälle in Richtung Hausentwässerung. Der Anschlussstopfen der Waschmaschine wird an der Wand durch eine senkrecht verlaufende Plastikklaue gehalten - und hatte sich im Laufe der Jahre unbemerkt um diverse Zentimeter nach unten verschoben, mit der Folge, dass statt Gefälle nun ein kaum sichtbarer Durchhänger oder Bauch ausgebildet hatte. In diesem Bauch hatten sich mit der Zeit offenbar Waschrückstände bis hin zu einem Propfen angesammelt - und das schlichte Flügelrad der Laugenpumpe, das wohl höchstens einen Meter Wassersäule stemmen kann, war zunehmend überfordert. Das Ganze dürfte den Motor schon länger über Gebühr belastet haben, mit der Folge beschleunigten Kohlenverschleißes. Also: Was ich als Ursache des Übels angesehen hatte - die abgebrannten Kohlen - das war selbst schon die Folge eines anderen Problems. Shit happens. Nun läuft sie wieder. Ohne sirrende Kohlen. Und völlig kontinent.

Vorerst bin ich wieder Held.