Interessant ist der Gebetssaal, den man mit viel Liebe in der ersten Etage des früheren Betriebsgebäudes eingerichtet hat. Typisch - mag man auf den ersten Blick sagen - es g

Auf der ersten Etage ist auch ein Fest- oder Disco-Raum, mit ziemlich lauter, gerade etwas scheppernder Musik. Am Fenster eine Anordnung aus drei großen Fahnen - der deutschen, der europäischen und der türkischen. Okay, sagt man sich, ist ja nicht ganz richtig - in der Mitte steht ja eigentlich nicht die EU-Flagge, sondern wenn überhaupt, dann die der NATO. Aber genau das zeigt die verzerrte Situation: Türken müssten im Zweifel Europa verteidigen - aber europäische Bürger sollen sie nicht sein bzw. werden? Wer kämpfen darf - und Steuern zahlen - der sollte auch seine Vertreter mit wählen können und sich selbst zu Wahl stellen. Alter, bewährter Grundsatz: No taxation without representation oder: Wer zahlt, wählt auch die Musik.

Zum Schluss würde ich gerne eine kompakte und sehr verständnisvolle Einführung in den Kontext Islam und Politik empfehlen: Peter Antes, Der Islam als politischer Faktor. Das Buch war kostenlos zu beziehen über die Bundeszentrale für politische Bildung, ist allerdings derzeit leider vergriffen (ich habe mit Nachdruck dort den baldigen Nachdruck empfohlen). Antes ist ein ausgewiesener Religionswissenschaftler und beschreibt sehr kenntnisreich und einfühlsam die wesentlichen Inhalte (die “Säulen”), die Grundlagen der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die Geschichte und Differenziertheit des heutigen Islam und die Reibungspunkte mit unserer zeitgenössischen Lebens- und Wirtschaftsordnung. Und manchmal erinnertman sich daran, dass das Morgenland bei uns ja nicht immer negativ angeschrieben war, dass einmal geheimnisvolle Geschichten von Sindbad, Kalif Storch und Kara ben Nemsi vorgelesen und gelesen wurden, sogar mit großem Erfolg verfilmt - selbst von Walt Disney. Mein Großvater sagte häufiger “ex oriente lux”, also “aus dem Osten kommt das Licht”. Damit meinte er augenzwinkernd zwar auch, dass er - bei Eisenach geboren - in den Zwanziger Jahren eine Wuppertalerin geheiratet hatte. Aber meinte, dass der Osten dem Westen weit mehr gegeben hat und geben kann - und damit wusste er sich in bester Tradition der deutschen Klassiker.
Über eines näher nachdenken lohnt sich ganz aktuell: über den vorbildlichen Eigentumsbegriff des Islam. Der Islam ist in einer recht trockenen = semi-ariden Landschaft entstanden, wo den Menschen nicht die gebratenen Tauben in den Mund fliegen, sondern sie die Früchte dem Boden zumeist mühsam abringen. Der Islam hat daher früh den Wert von Nachhaltigkeit schätzen gelernt und bewahrt ihn noch heute. Konsequent berechtigt nach islamischer Tradition das Eigentum nicht zu dessen freiem Verbrauch bis hin zur Zerstörung, sondern verpflichtet zum sorgsamen Gebrauch, zum Nutzen der Gemeinschaft und der nachfolgenden Generationen. Das können und sollten wir in der gegenwärtigen Situation der globalen Ressourcen - und angesichts der tagtäglich daraus folgenden Konflikte - unmittelbar unterschreiben.
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