Mittwoch, 10. Juli 2013

Gesamtschule, "Fordern statt Verwöhnen" und türkische Azubis

Aus Leichlingen bekomme ich gerade eine Frage gestellt: Wie ich denn zu Gesamtschulen stünde?

Nun: Schulformen sind nicht mein Thema. Ich kann als Ein-Mann-Partei nicht alle Themen abdecken und beherzige möglichst häufig den Grundsatz, zu allem zu schweigen, wovon man nicht reden kann. Etwas mehr weiß ich von der dualen Berufsausbildung (siehe auch unten).

Aber: Wenn auch ich auch zu Schulformen nichts Entscheidendes beitragen kann und will, so doch zu Integration und zu mehreren aufeinander folgenden Chancen für Kinder und Jugendliche, den bestmöglichen Schulabschluss zu erreichen, auch mit Unterstützung in Patenmodellen und dergleichen. Ein besonderes Lob hier an die vielen Bürgerinnen und Bürger, die hier ehrenamtlich im wahrsten Sinne des Wortes Schicksal spielen!

Ich lasse mich von der Überzeugung nicht abbringen, dass der menschliche Geist eine höchst plastische Angelegenheit ist - man kann zwar in der Kindheit einiges "versauen", aber in der Folge auch fast alles wieder gutmachen. Wir haben rein gar nichts von den Menschen, die "in der falschen Schachtel stecken" und die womöglich Langeweile und Unterforderung in Aggression und Destruktion umsetzen. Das Vertrackte ist ja, dass gerade junge Menschen / Halbstarke fortwährend aktiv Gelegenheiten zur Profilierung und zur öffentlich bemerkbaren "Leistungsabgabe" aufsuchen. Und wenn nichts Vernüftiges angeboten wird, dann profilieren sie sich halt mit Unvernünftigem. Felix von Cubes "Fordern statt Verwöhnen", das ist das beste Motto. Und den Gewinn haben am Ende beide Seiten. Also auch wir.


Nochmal kurz zur dualen Berufsausbildung. Gestern sprach ich mit einem türkischen Mitbürger über doppelte Staatsangehörigkeit. Der Mann ist 34 Jahre hier, spricht perfekt deutsch,er hat aber seine türkische Staatsangehörigkeit bisher nicht aufgeben wollen - wegen sonst drohender empfindlicher Nachteile bei Erbschaften und beim Grundstückserwerb - und das kann ich sehr gut nachvollziehen, da würde ich im umgekehrten Fall auch nichts aufgeben wollen. Wir sprachen auch über häufig geäußerte Vorurteile gegen junge männliche Türken, die etwa so daher kommen: "Junge Türken sind besonders aggressiv und unhöflich, die muss man doch wohl nicht auch noch unter Belassung ihrer türkischen Nationalität in den deutschen Staatsverband aufnehmen!"

Exkurs: Die einzige merkbare Aggression, die ich in den letzten 50 Jahren erlebt habe, die kam von einem Deutschen mittleren Alters, und sie ist mir noch höchst lebendig in Erinnerung: Nach mehrtägigem Schneefall Anfang 2013 sah ich des Abends auf der Heimfahrt zwischen dem Opladener Bahnhof und Burscheid-Kuckenberg, wie ein Mann hochdynamisch seinen Gehweg räumte und den Schnee folgendermaßen abkippte: Der Schnee rutschte in großen Brocken auf die längst geräumte Fahrbahn und war von vorbeifahrenden Fahrzeugen bereits zu einer festen Schicht von va. 20 m Länge quer über die rechte Fahrbahn ausgewalzt worden. Ich sah darin eine Verkehrsgefährdung, zumal bei einer dort sehr unübersichtlichen Fahrbahnführung, und bat den Mann, die Arbeit anders fortzusetzen. Kritik, wenn auch sachlich vorgetragen, war nun aber wohl nicht seine Sache und so warf er sich kurzerhand gegen mich und schmiss mich so um, dass ich wie ein Maikäfer auf dem Rücken landete, in der gut vorbereiteten Salzlake. Exkurs zur nationalen Gewalttätigkeit Ende.

Wieder zur Berufsausbildung. Mein türkischer Mitbürger sprach mir aus dem Herzen: Es gäbe viel weniger Langeweile und Aggression, wenn die jungen Türken einer vernünftigen und zukunftweisenden Beschäftigung nachgingen, bevorzugt einer dualen Ausbildung, die ja auch noch vergütet würde und die bei der späteren Suche nach einer dauerhaften Stelle besonderes Ansehen genieße. Genau richtig! Einziger Wermutstropfen: Junge Türken müssen selbst bei gleich guten Schulnoten signifikant mehr Bewerbungen schreiben, bis sie einen Ausbildungsplatz ergattern können und landen dann häufig genug bei vollzeitschulischen Bildungsangeboten, die sie häufig weniger fordern und die weniger gesicherte Zukunft bedeuten.

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